Samstag, 13. August 2016

Die größte Gefahr, wenn man die Bulimie hinter sich lässt

Ich kann mich noch gut erinnern, wie es damals war... Man hat man das Gefühl: Wenn ich die Bulimie erstmal los bin, habe ich mein größtes Problem beiseite geschafft - und dann mach ich alles mit links. Nichts kann mich dann mehr aufhalten, das zu tun, was ich wirklich tun möchte.

Natürlich ist das Quatsch. Und ich glaube auch, dass das die meisten zumindest ahnen. Denn klar, die Bulimie hinter sich zu lassen, ist eine Monsteraufgabe, das schafft man nicht „einfach so“, und auch nicht von einem Tag auf den anderen.

Aber was danach kommt, darüber sind sich viele zumindest zu Beginn ihres Heilungswegs nicht ganz klar - und das ist auch niemandem zu verdenken. Danach, nach dem Loslassen der bulimischen Symptomatik, warten noch ganz viele andere, neue Herausforderungen, die niemand im Vorfeld wirklich vorhersehen kann.

Der Grund dieser neuen Herausforderungen liegt in der Vergangenheit begründet: jemand, der sich über Jahre hinweg hauptsächlich mit Essen, Nichtessen, Ernährung und diversen organisatorischen Dingen wie Einkaufen, Übergeben und „Ausgleichssport“ beschäftigt hat, der wird sich in vielen normalen Bereichen des Lebens schwertun: sei es, wenn es um soziale Kontakte geht, in der Freizeitgestaltung (was tun mit der vielen freien Zeit?) oder dabei, eine neue, echte Sicherheit in sich selbst zu finden.

Dass das überaus schwierig sein kann, zeigt zum Beispiel auch der Umstand, dass die Selbstmordrate unter Adipositaspatienten nach einer Magenbandoperation 4 mal höher sind als bei Nichtoperierten. Der Grund liegt ganz einfach darin, dass diesen Menschen der für sie einzig funktionierende Kompensationsmechanismus „genommen" wird. Sie können mit den Emotionen, Konflikten und vielleicht auch der vielen freien Zeit (die sie nicht mehr mit Essen füllen können) nicht umgehen, so dass ihnen der Suizid als einziger Ausweg erscheint.

Auch beim Weg aus der Bulimie gibt es keinen „Quick Fix“, keinen Schalter, den man schnell umlegen kann. Scheitern gehört auf diesem Weg mit dazu, und scheitern ist normal und längst kein Grund aufzugeben.

Beachtet auf eurem Weg auch immer, dass die Bulimie keine rein psychologische Störung ist, sondern dass die Ernährung eine ganz große Rolle spielt. Es gibt Lebensmittel, die wie Drogen wirken, und das weiß glücklicherweise mittlerweile auch die Wissenschaft (und auch viele Psychologen). 2 wichtige Stichworte hierzu sind Kasein und Gluten, hier auf dem Blog habe ich vor längerem schon Artikel dazu geschrieben.

1 Kommentar

  1. Anonym6/10/16

    Ein sehr interessanter Aspekt.
    Zuerst dachte ich auch, dass ich "nur normal" essen müsste. So sah es auch immer in Berichten über Essstörungen aus. Dass viel mehr dahinter steckt, habe ich nach einer ersten lange Phase ohne Erbrechen gemerkt. Meinem Körper ging es so gut wie lange nicht mehr! Aber diese ganze Freizeit, die sonst unterdrückten Gefühle und Bedürfnisse- das war so ungewohnt und fast beängstigend. Wahrscheinlich muss man eben noch mal eine Art Pubertät durchmachen (der arme Körper muss sich ähnlich umstellen, Hormone einpendeln etc.), um ganz zu sich zu gelangen. Das soll nicht pro ES sein! denn es lohnt sich so sehr, den Mist loszuwerden. Es ist nur gut, dass Du darauf hinweist, damit andere Betroffene wissen, was auf sie zukommt.

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